Kraniale manuelle Therapie ist nicht das Gleiche wie Kraniosakral-Therapie

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In den Niederlanden kritisiert die Akkreditierungskommission der niederländischen Gesellschaft für Physiotherapie (KNGF) das manipulative Assessment und den Behandlungsansatz der Craniofacial Therapy Academy (CRAFTA®) Ausbildung und wies bei der 3-järigen Akkreditierungsanfrage mehr als 50% der möglichen Akkreditierungspunkte aus den vergangenen Akkreditierungsperioden ab. Sehr wenige Akkreditierungspunkte wurden den in einer eigenen Spezialistengruppe zusammengefassten Manualtherapeuten zugewiesen (nur für das Thema Kranio-mandibular). Die zugrundeliegende Motivation dieser Entscheidung war: “Die Techniken am Kranium, die verwendet werden, sind osteopathische Techniken, welche nicht evidenzbasiert sind. Die Techniken sind nicht auf der Basis westlicher Begründungen zu intertpretieren.” Leider sind die Namen der Kollegen und Mitglieder der Akkreditierungskommission der niederländischen Gesellschaft für Physiotherapie (KNGF) geschützt und werden nicht erwähnt.

Daher war eine faire Diskussion nicht möglich. Daraus ergibt sich die Möglichkeit kraniale manuelle Therapie in diesem Blog zu erklären.

Was ist kraniale manuelle Therapie

Mit kranialer manueller Therapie ist gemeint: Assessment und Behandlung durch passive Bewegungen (Bewegungen durch den Therapeuten ausgeführt) des Schädels und des Gesichts. Während der Untersuchung werden drei Parameter untersucht: Resistance (Widerstand), Rebounce und sensorische Reaktion. Sehe auch sehe auch Abb. 1.

  • Resistance: ist die Anwesenheit und die Qualität der Reaktion des Gewebes, der während des zunehmenden Drucks bei den passiven Bewegungen vom Therapeut registriert wird (Maitland et al 2013)
  • Rebounce : ist eine Reaktion des kranialen Gewebes auf Kräfte mit einer Compliance. wenn z.B. eine passive Bewegung ausgeführt wird. Diese Reaktion basiert auf der Umwandlung der Kräfte überwiegend zwischen den Knochenstrukturen, was auch „Stress- Transducer- System“ genannt wird (Oudhof 2001, Proffit 2013).
  •  Sensorische Reaktion: ist die persönliche Erfahrung des Patienten während der Durchführung der kranialen passiven Bewegung wie Schmerzen, Schwindel, Tinnitus, schweres Körpergefühl etc.

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Diese drei Parameter werden untersucht mit 6 Standard-Tests, wenn notwendig gefolgt von spezifischen regionalen Tests. Abnormale Befunde wie gesteigerter Widerstand, reduzierter Rebounce und Reproduktion der Symptome des Patienten (sensorische Reaktionen) können Informationen geben, welches klinische Muster (wie z.B. Post -traumatische Kopfschmerzen, einseitiger subjektiver Tinnitus, Gesichtstrauma, chronische (pseudo) Sinusitis oder pädiatrische Ohrschmerzen) vorhanden ist.

Die Parameter basieren auf dem Beweis von kraniellen Wachstumsmodellen aus der Kieferorthopädie, plastischen Chirurgie und der neuronalen Chirurgie, (Smith und Josell

1986, Proffit 2013)dem neuesten pathobiologischen Wissen aus der Schmerzwissenschaft und Innervation des kranialen Gewebes (Schueler et al 2013).

Was ist der Unterschied zwischen kranialer manueller Therapie (KM) und Kraniosakral- Therapie (KS)?

Es gibt starke klinische Beweise dafür, dass kraniale passive Bewegungen Beschwerden und Funktionen bei Menschen ändern können. Für einen guten Überblick über die verschiedenen Modelle wird auf das exzellente Buch von Chiatiow, „Cranial Manipulation. Theory and Practice verwiesen (Chiatow 2005). Die meisten dieser Modelle werden durch den kranialen- sakralen Rhythmus angetrieben, welcher eine zyklische Bewegung aller Körpergewebe mit der Bewegung der Spinalflüssigkeit assoziiert und wird „primärer Atemmechanismus“ genannt. Also:

  • KM basiert auf Wachstumsstudien aus den Bereichen Kieferorthopädie, plastische Chirurgie und Neurochirurgie. Dies steht im Gegensatz zu den Vorstellungen der KS und dem primären Atemmechanismus.
  • KS basiert auf biomechanischen / anatomischen Modellen. KM orientiert sich an funktionellen / biologischen / pragmatischen Modellen.
  • Die Behandlungsziele sind unterschiedlich:

o KM Assessments und Behandlungstechniken suchen nach klinischen Zeichen

(Resistance, Rebounce, Responsen), wohingegen KS sehr auf Veränderungen von Strukturen und Systemen (Sutur, Herzkammer, psycho-emotionale Systeme) fokussiert ist.

o KM integriert direkte kraniofaziale Funktionen wie: Atem-Zungen Übungen/ Training. KS bleibt aufgrund des “Selbstheilungs-Mechanismus” des Körpers passiv.

Kraniale manuelle Therapie gibt vor nicht…

  • die Nähte (Suturen) zu mobilisieren, weil aus mehreren Studien bekannt ist, dass mehrere Kilogramm nötig sind, um eine minimale Nahtbewegung zu erzielen (Downey et al 2006).
  • Flüssigkeit aus Ventrikel zu verdrängen und dort Effekte auf den Kraniosakralen Rhythmus zu begründen (aus Mangel an Beweisen) (Sommerfield 2004).
  • passiv zu sein mit einem “wait and see”-Ansatz nach der Behandlung. Kraniale manuelle Therapie gibt vor…
  • Eine systematische Analyse abnormaler Spannungen im Schädelgewebe mit Betonung der Schädelknochen durchzuführen und mit den Beschwerden der Patienten, ausgedrückt in den drei Parametern (Resistance, Rebounce und sensorische Reaktion),und den Schmerzmechanismen und Klassifizierung von Schmerzen zu verbinden.
  • Biologische Funktionen von kranialem Gewebe während Wachstum und Verringerung der Nozizeption (oft mehrere kleinere Nozizeptionen) im kraniofazialen

Gebiet zu unterstützen, die Funktion wiederherzustellen und die kraniofaziale Organfunktion zu stimulieren.

Gibt es Evidenzen für KMT?

Es wird vorgeschlagen, dass die Spannungs- und Anpassungsfunktion des Schädelknochens von kraniofazialen (Dys)funktionen beeinflusst werden kann (Gabutti und Draper 2014) und dass perikraniales Gewebe direkt die meningeale Nozizeption beeinflussen kann mit Symptomen wie Kopfschmerzen (Schueler 2014), aber es gibt nicht eine systematische Wirkungsstudie basierend auf diesem Hintergrund.

In einem systematischen Review von Krützkamp et al (2014) über das Ergebnis der Behandlung des kraniofazialen Gewebes durch passive Bewegungen wurden 37 Studien identifiziert, in denen es um kieferorthopädische Schienentherapie, kraniosakrale oder manualtherapeutische passive Maßnahmen ging. Alle hatten eine schlechte methodische Qualität, kleine Gruppen und nur sehr wenige Beweise konnten bezüglich der Ergebnisse aller Therapieansätze bei Kopfschmerzen und psychogenen Problemen identifiziert werden.

Vielleicht hat die Akkreditierungskommission der niederländischen Gesellschaft für Physiotherapie Recht, dass ein Mangel an direkten wissenschaftlichen evidenzbasierten Wirkungsstudien herrscht, genau wie in vielen neuen innovativen Therapieansätzen, da noch wenig externe Evidenz vorhanden ist.

Aber empirisches, gesammeltes Wissen von Therapeuten, Patienten und externe Evidenz aus anderen Disziplinen helfen, die Funktion der kraniofazialen Region besser zu verstehen und unterstützen dieses kraniale manuelle Therapie-Modell, welches nicht das Gleiche ist wie Kraniosakral-Therapie.

Wenn Sie Erfahrung als Patient mit kranialer manueller Therapie, wie in der CRAFTA® Ausbildung gelehrt wird, oder als Therapeut gesammelt haben, schreiben Sie bitte Ihre Erfahrungen in diesen Blog. Dies kann helfen, kraniale manuelle Therapie und deren Unterschied zu Kraniosakral-Therapie besser zu verstehen und kann unterstützend den Patienten helfen, die an langfristigen Kopf- und Gesichtsproblemen leiden.

Mit freundlichen Grüßen, Harry von Piekartz

Referenzen

  • Chiatow L , Cranial Manipulation Theory and Pracrice , 2 nd Edition, 2005, Elsevier , Chruchil Livingstone , Edinghburgh
  • Downey PA1, Barbano T, Kapur-Wadhwa R, Sciote JJ, Siegel MI, Mooney MP. Craniosacral therapy: the effects of cranial manipulation on intracranial pressure and cranial bone movement. J Orthop Sports Phys Ther. 2006 Nov;36(11):845-53.
  • Gabutti, M ,Draper-Rodi J Osteopathic decapitation: Why do we consider the head differently from the rest of the body? New perspectives for an evidence-informed osteopathic approach to the head International Journal of Osteopathic Medicine

(2014) 17-23

  • Krützkamp L, D Möller, von Piekartz H. Einfluss von passiven Bewegungen am Kranium. Einesn systematisches Review,Manuelle Therapie 2014; 18: 183–192
  • Maitland G, Hengeveld E, Banks K, English K. Vertebral manipulation, 6th ed. Oxford: Butterworth-Heinemann; 2013
  • Oudhof H. Skull growth in relation to mechanical stimulation. In: von Piekartz H, Bryden L. Cranialfacial Dysfunction and Pain, Assessment, Manual Therapy and Management. Oxford: Butterworth-Heinemann; 2001
  • Proffit WR. Contemporary Orthodontics. 5nd ed. St. Louis: Mosby Year Book; 2013
  • Schueler M1, Messlinger K, Dux M, Neuhuber WL, De Col R. Extracranial projections of meningeal afferents and their impact on meningeal nociception and headache Pain. 2013, Sep;154(9):1622-31
  • Sommerfeld P1, Kaider A, Klein P. Inter- and intraexaminer reliability in palpation of the “primary respiratory mechanism” within the “cranial concept”. Man Ther. 2004Feb;9(1):22-9
  • Smith R, Josell The plan of the human face: a test of three general concepts. Am J Orthod. 1984 Feb;85(2):103-8.Fur mehr Info lese : crafta4
    Aktuelles Buch November 201

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