Die neue DC/TMD (Diagnostic Criteria for Temperomandibular Disorders). Was bedeutet das für den spezialisierten Therapeuten?

Physiotherapeuten und Zahnärzte haben Ihre eigenen Methoden für die Beurteilung von orofazialen Problemen. Für eine bessere Übereinstimmung in der Diagnostik von orofazialen Beschwerden wurde 1992 ein internationals Standardprotokoll entwickelt (*1). Dieses wurde “Research Diagnostic Criteria for Temperomandibular Disorders (RDC/TMD)” genannt.

Das RDC/TMD besitzt zwei Assessmentpunkte. In erster Linie beschreiben sie die physikalische Untersuchung. Als Zweites helfen sie mit der Abgrenzung der biopsychosozialen Faktoren. Bedauerlicherweise ist die Validität für die physikalische Untersuchung nicht gut genug. Die Möglichkeit einen Patienten mit orofazialen Beschwerden zu erkennen liegt nur bei 70%. Die Validität für die biopsychosozialen Faktoren war etwas besser. Wie auch immer, die existierenden Tests sind in der Handhabung nicht leicht und nehmen viel Zeit in Anspruch. Basierend auf dieses Wissen wurde entschieden, ein Update zu entwickeln. Das Update wurde in einem Artikel von Schiffman et al 2014 veröffentlicht (*2). Das überarbeitete und leicht geänderte Protokoll wird DC/TMD genannt.

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Was ist neu?

  • Im Zuge der physikalischen Untersuchung schaut der Prüfer sich die Mundöffnung sowie die Bewegungen zur Seite und nach vorne an. Eine Palpation des Gelenkes kann durchgeführt werden. Außerdem soll auf mögliche Kiefergeräusche geachtet werden. Darüber hinaus ist eine Palpation der Kaumuskulatur möglich.
  • Bezüglich der biopsychosozialen Faktoren wird die Nutzung von mehreren Fragebögen beschrieben. Sie ermöglichen in der alltäglichen Praxis eine Diskriminierung, durch einfache Sreeningtests. Für die Physiotherapeuten sind fünf Screnningtests wichtig:
    – Patient Health Questionnaire 4 (PHQ4)
    – Graded Chronic Pain Scale (GCPS)
    – Schmerz kennzeichnen auf einem Kopf/ Kiefer/ Körper- Bild
    – Jaw Functional Limitation Scale (JFLS)
    – Oral Behaviours Checklist (OBC)

Das Beschwerdeprotokoll führt zu neuen Kriterien für die zwölf orofazialen Diagnosen in DC/TMD.
Das neue DC/TMD hat eine Klassifizierung der Kieferbeschwerden aufgestellt. Ursächlich durch Muskulatur, Gelenk, Diskus- und Subluxationen oder Kopfschmerzen. Die Unterschiede zu dem alten Protokoll liegen in dem Einbezug von Kopfschmerzen, einer Diskusverschiebung mit Reduktion, die eingeschränkte Mundöffnung und die Subluxation. (sehe für eine Übersicht der Artikel von Schiffman *2)

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Klinische Konsequenzen:

 

Das neue DC/TMD bietet uns ein valides Werkzeug, welches von verschiedenen Berufen angewendet werden kann. Die Validität für die Untersuchung wurde verbessert (Sensitivität >0,86, Spezifität > 0,98).
Und die biopsychosozialen Faktoren können durch fünf Screeningtests einfacher und schneller ermittelt werden.

Für das CRAFTAÒ- Therapeutenwissen sind diese Assessments wichtig. Nicht nur zur Interpretation von orofazialen Schmerzen in der eigenen täglichen Praxis, sondern auch zur Kommunikation mit anderen Berufsgruppen. Natürlich muss all dies im Gesamtkonzept der klinischen Urteilsbildung gesehen werden. Das multifaktorielle Assessment ist umfangreicher als nur DC/TMD. Die Suche nach Reproduktion von vergleichbaren Zeichen und Symptomen, das Verständnis von beitragenden Faktoren und die Hinzunahme von alledem ins Management ermöglichen eine angemessene Behandlung.
Interessieren Sie sich für die DC/TMD, dann lesen Sie mehr im Internet (*3).

Miranda Hanskamp, PT, OMT, CRAFTA®

 

 

*1: Der originale Artikel wurde von Dworkin and LeResche in 1992 in The Journal of Craniomandibular Disorders, Facial & Oral Pain veröffentlich

*2: Schiffman et al. 2014. Diagnostic criteria for temperomandibular disorders (DC/TMD) for clinical and research applications: recommendations of the international RDC/TMD Consortium Network and orofacial pain special interest group. J. Oral Facial Pain Headache 28, 1:6–27

*3: http://www.rdc-tmdinternational.org/TMDAssessmentDiagnosis/DCTMD.aspx

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